Das Delfin-Mädchen

 

 

 

Das Delfin-Mädchen

  

KIRCHHELLEN Wenn Jolina ein Tier wäre, wäre sie ein Delfin. "Weil ein Delfin einfach schnell ist im Wasser", begründet sie ihre Wahl. Schnelligkeit ist nur eine Stärke der jungen NRW-Vizemeisterin.

 

 

Jolina trainiert mehrmals in der Woche. Sie ist nicht nur im Wasser, sondern macht auch athletische Übungen im Trockenen. Foto: Frederike Schneider

 

Bevor sie Mitglied beim VfL Gladbeck wurde, tanzte Jolina Wolff und schwamm einmal in der Woche bei der Startgemeinschaft (SG) Gelsenkirchen. Parallel konnten die Sportarten nicht laufen, das wusste sie. „Das hat sich so entwickelt. Ich musste mich entscheiden, ob ich schwimmen oder tanzen will“, sagt die Elfjährige, die am Sonntag (11. Juni) zwölf wird. Die Entscheidung fiel ihr recht leicht: Sie wollte schwimmen. 

Sportliche Familie

Jolina kommt aus einer sportlichen Familie. Die Mutter, Nadine Wolff, reitet und ihr Mann fährt gerne Fahrrad. Die Schwägerin der Mutter ist früher ebenfalls geschwommen. Mit viereinhalb Jahren hat Jolina ihr Seepferdchen gemacht. „Meinen ersten Wettkampf hatte ich am 20. März 2011“, weiß Jolina noch. Da war sie fünf Jahre alt.

Die Schülerin besucht das Vestische Gymnasium in Kirchhellen und merkt sich Zahlen gut. Besonders, wenn sie ihr etwas bedeuten. Jolina erklärt, dass es ihr nicht darum geht, „nur“ zu gewinnen – obwohl sie darin auch geübt ist. In diesem Jahr hat Jolina bisher 151 Medaillen nach Hause gebracht. Ihr geht es darum, sich selbst zu verbessern und ihre eigenen Bestzeiten zu toppen. Hängengeblieben ist ihr, dass sie im vergangenen Jahr bei einem Wettkampf elf Minuten für 800 Meter Kraul gebraucht hat. „Anfang dieses Jahres bin ich 10:39 geschwommen“, sagt das Mädchen und lächelt.

"Einfach losballern"

Ihre Hauptschwimmlage ist Kraul. „Da muss ich mir keine Kräfte einsparen, sondern kann einfach losballern“, sagt Jolina. Rücken ist ihre Nebenschwimmlage. Zu ihrem größten Erfolg zählt, dass sie NRW-Vizemeisterin über 200 Meter Freistil ist. „Ich brauchte 2:23 Minuten“, so Jolina. 2018 will sie bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Berlin dabei sein. In diesem Jahr hat sie die Qualifikation verpasst. „Die 60 besten Schwimmer waren in Berlin. Jolina war auf Platz 75“, sagt Nadine Wolff. Wie Jolina mit der Niederlage umgeht? „Klar, war ich traurig. Dass ich es nicht geschafft habe, lag an der Aufregung. Im nächsten Jahr bin ich dabei“, antwortet sie.

Mit Biss und Ehrgeiz trainiert Jolina weiter. Sie möchte so werden wie ihr Vorbild Jessica Steiger. „Jessica ist Deutsche Meisterin im 200 Meter Brustschwimmen“, bewundert Jolina sie. Außerdem startete Jessica Steiger bei der EM 2016 für Deutschland und kam bis ins Halbfinale für 200 Meter Brust. Sie belegte den 16. Platz. Dass es für diesen Erfolg viel Training brauchte, weiß Jolina. Ihr ist auch bewusst, dass die Schule nicht darunter leiden darf, weil sie so viel Sport macht. Aber darauf achtet ihre Mama Nadine schon. „Jolina kommt nach der Schule nach Hause und isst erst mal zu Mittag. Dann kümmert sie sich um Hausaufgaben und fährt zum Training“, erläutert Nadine Wolff den Tagesablauf.

Freundschaften

 

Wenn Klausuren anstehen, lässt Jolina den ersten Teil ihres Trainings – Athletik – ausfallen. Sie beschäftigt sich in ihrer Freizeit viel mit ihrem Sport, während Freundinnen sich verabreden. „Ich muss dann oft sagen ‚Ich habe Training‘, aber das wissen meine Freunde schon“, meint sie. Schlimm findet Jolina das nicht. Denn, wer was erreichen will, muss etwas dafür tun. Ihre Freundschaften gehen dadurch nicht verloren. Zumal sie im Verein auch Kontakte geknüpft hat. An diesem Wochenende ist die Elfjährige auf einem Wettkampf in Mönchengladbach. Das Geburtstagskind wird bestimmt gut schwimmen.


Aus:  (9.6.2017)  Friederike Schneider

 

 

 

 


 

 

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