SZ-online: „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit“

 

„Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der

Unzufriedenheit“ ~ Kierkegaard

 

 
Wer kennt das nicht? Man bekommt eine Klausur zurück und freut sich über die erreichte
Note, bis ein Freund oder eine Freundin mit einer besseren Leistung prahlt. Das
Gedankenkarussell beginnt und Fragen kommen auf. Bin ich deswegen jetzt schlechter als
meine Freundin oder mein Freund? Wieso hat er/sie eine bessere Note? Und schon ist die
anfängliche Freude über eine gute Leistung verflogen und Selbstzweifel kommen auf. Man
vergleicht sich und bemerkt, dass es Unterschiede gibt, manchmal kleinere, jedoch nicht allzu
selten auch signifikante. Diese Unterschiede lassen sich auf fast alle Bereiche des alltäglichen
Lebens beziehen und verfolgen uns ein Leben lang. Ob nun die Zöpfe der kleinen Marie
hübscher geflochten sind oder der Arbeitskollege bessere Präferenzen hat, spielt beim Thema
„Vergleichen“ keine große Rolle. Je mehr Gedanken wir uns darüber machen, wie ähnlich
oder unähnlich wir jemandem sind desto größer wird unsere Unzufriedenheit. Wir vergessen
wertzuschätzen, was uns als eigenständige und einzigartige Person ausmacht. Nicht selten
wird dieses Verhalten durch die Umwelt oder die Medien geprägt und befeuert. Auf den
Laufstegen der Welt laufen Models, kaum dicker als ein Streichholz. Eine Idealvorstellung
wird geschaffen und setzt sich in den Köpfen der Menschen fest. Wir stehen vor dem Spiegel
und denken darüber nach, dass die Beine von der Germanys Next Topmodel Jurorin Heidi
Klum viel länger sind, ihr Bauch viel flacher, ihr Po viel runder als es bei uns der Fall ist. Und
wir ärgern uns darüber, nicht der vermeintlichen Norm zu entsprechen. Allein der Vergleich
kann dazu führen, sich auf Biegen und Brechen verändern zu wollen und einem Ideal
nachzueifern. Wir verlieren uns selbst. Der Deutschrapper Alligatoah hat in seinem Lied „Du
bist schön“ einige dieser Ideale aufgegriffen:
 
„Dabei geb' ich mir doch Mühe, jede Luxus-Modemesse gibt mir Komplimente:
 
Schöne Benutzeroberfläche! Und sie machen mir ein Angebot, das Freude weckt -
 
99% reduziert... auf mein Äußeres!
 
Ich muss in die Sachen passen, hab' ich Hunger, gibt es Kochwäsche.
 
Manche tragen nur dieselben Schrottfetzen Ich trag' jeden Tag was anderes – Stoffwechsel“
 
Dieses Zitat spricht mir aus der Seele und es regt mich zum Nachdenken an. Die
beschriebenen Ideale sind größtenteils auf Vergleiche zurückzuführen. Auf Vergleiche, die
nicht nötig sind und die einen Menschen auf ein Körperteil oder eine Qualifizierung
reduzieren. Auf Vergleiche, die einen Menschen mit einem tollen Charakter zum Zweifeln
bringen. Auf Vergleiche, die einem Menschen Glück und Unbeschwertheit nehmen können.
Die Frage die sich stellt, ist die Frage nach der Notwendigkeit eines solchen Vergleiches.
Muss ich denn besser, dünner, hübscher sein als mein Freund oder Vorbild? Nein. Wir sind
eigenständige Geschöpfe, die sich über unsere jeweilige Einzigartigkeit definieren sollten, die
stolz darauf sein sollten, wer sie sind. Wir können Vergleiche nutzen, um uns zu verbessern,
jedoch ohne uns selbst dabei zu verlieren. Unser persönliches Glück ist zu wertvoll, um es
durch belanglose Vergleiche zu zerstören. Der Philosoph Kierkegaard bringt dies mit seiner
Aussage „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit“ auf
den Punkt. Wir dürfen wir selbst sein, jeder einzelne für sich, solange wir damit glücklich
sind. Und wir sollten mit uns so zufrieden sein, dass selbst ein Vergleich nicht die Chance hat,
uns unser Glück zu nehmen. Wer dieses Ziel erreicht hat, den kümmert keine vermeintlich
schlechte Note mehr. Wer dieses Ziel erreicht hat, der hat die Möglichkeit glücklich und
zufrieden durchs Leben zu gehen, denn jedes Individuum ist in seiner Einzigartigkeit wertvoll
und das ist auch gut so!
 
 
Jana Leuchtmann, EF
 
 
 
 
 
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