Konzept der Ansprechpartnerin für Gleichstellung

Ansprechpartnerin für Gleichstellung:                     
Name:van Essen, Karin - VE
Faecher: Deutsch
Latein
Weitere Aufgaben: Ansprechpartnerin für Gleichstellung
Planung/Organisation der Schulprogrammarbeit/Steuergruppenmitglied
Administratorin Homepage (inhaltliche Gestaltung)
Lern- und Arbeitstechniken (LAT)
Methodentraining Facharbeit
Lese-und Rechtschreibförderung 5/6 (BISS)
Fachvorsitz Deutsch
Email: vanessen(at)vestisches-gymnasium(dot)de
Frau van Essen
Stellvertreterin:
Name:Tiedt, Karin - TD
Faecher: Deutsch
Philosophie
Evangelische Religionslehre
Literatur
Weitere Aufgaben: Erprobungsstufenkoordinatorin
Ansprechpartnerin für Freiarbeit
Lese-und Rechtschreibförderung 5/6 (BISS)
Vertreterin der Ansprechpartnerin für Gleichstellung
Mitglied der Schulprogramm- und Steuergruppe
Antimobbing-Projekt Kl. 7
Fachvorsitz Philosophie
Email: tiedt(at)vestisches-gymnasium(dot)de
Frau Tiedt

(Umsetzung des Gender Mainstreaming)                                                  

[ zu geschlechtsspezifische Aspekte der LRS-Förderung]                    [Frauenförderplan]

 

Schulleitung, Lehrer/innen, Schüler/innen und Eltern des Vestischen Gymnasiums formulieren im Schulprogramm folgende Grundhaltung als Teil ihres Leitbildes:

  • „Wir akzeptieren und respektieren jeden als Person mit seinen Stärken und Schwächen und nehmen alle mit ihren schulischen und persönlichen Belangen ernst. Wir verpflichten uns darüber hinaus zu gegenseitiger Wertschätzung und Akzeptanz von Normen.“
  • „Wir legen Wert auf einen weltoffenen, toleranten und respektvollen Umgang. Dazu gehört für uns, sich auf Anderssein einzulassen - das heißt Interesse an diesem zu entwickeln, kulturelle und sprachliche Prägungen sowie Menschen mit Handicaps zu akzeptieren und eigene Überzeugungen kritisch zu hinterfragen. Wir fördern ein couragiertes Eintreten für Andere bzw. für eine Sache oder eine Idee. […]“              
  • „Gegenseitige Unterstützung und ein vielfältiges und lebendiges Miteinander halten wir in unserer Schule für unverzichtbar. Wir möchten das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken und dadurch Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein steigern.“

Jeden als Person mit seinen Stärken und Schwächen zu akzeptieren beinhaltet u. a., Jungen und Mädchen, Männer und Frauen in ihrer Verschiedenartigkeit wertzuschätzen und zu fördern, ihnen Verhaltensmuster und Wertvorstellungen bewusst zu machen, die auf überlieferte Geschlechterrollenerwartungen zurückgehen, und ihre Handlungs- und Sprachmuster sowie Denkweisen nach ihren Ursachen zu hinterfragen und sie zu verändern oder zu erweitern.

Alltägliche Formen von Gewalt und Sexismus sollen deutlich gemacht und die Bereitschaft zum Abbau geschlechtsspezifischer Benachteiligungen soll gefördert werden.

„[S]ich auf Anderssein einzulassen“ meint, seine Perspektive über ‚den Tellerrand des Gewohnten’ hinaus auszudehnen, ungleiche Chancen und Diskriminierungen wahrzunehmen,  sich einzufühlen, sich vertraut zu machen und auseinanderzusetzen mit andersartigen Bedürfnissen, Erfahrungs- und Denkmustern, mit der Situation Anderer (Menschen anderen Geschlechts, anderer Herkunft, mit einem Handicap etc.).

Ein reflektierter, (selbst)bewusster und verantwortungsvoller Umgang mit der eigenen und der Rolle des jeweils Anderen in einem lebendigen Miteinander sind unser gemeinsames Ziel.

Es geht folglich ausdrücklich nicht lediglich darum, dass Mädchen und Frauen zu erreichen suchen, was traditionell Jungen und Männer tun.

 

Rollenverständnis und Maßnahmenkatalog

 

In ihrer beratenden und unterstützenden Funktion sowohl gegenüber der Schulleitung als auch gegenüber dem Kollegium sowie den Referendaren und Referendarinnen ist es die Aufgabe der Ansprechpartnerin des Vestischen Gymnasiums, das Schulleben unter Gender–Gesichtspunkten kritisch zu beleuchten und Ideen zur Verbesserung der schulischen Situation von Jungen und Mädchen (Schülern und Schülerinnen) sowie Männern und Frauen (Kollegen und Kolleginnen, Referendaren und Referendarinnen) zu entwickeln.

 

Ihre Ideen und Empfehlungen können sich bekanntermaßen auf die folgenden Bereiche beziehen:

–       die Schulprogrammentwicklung,
–       die Klassenbildung, Unterrichtsverteilung und Aufstellung des Stundenplans,
–       Fragen des koedukativen Unterrichts,
–       Schülerbetriebspraktika,
–       die Besetzung von Gremien oder Funktionen,
–       den Einsatz teilzeitbeschäftigter oder allein erziehender Lehrkräfte,
–       den Einsatz von Lehrkräften, die aus einem Erziehungsurlaub bzw. aus einer
         Beurlaubung zurückkehren,        
–       Fortbildungsveranstaltungen und
–       die Umsetzung des Frauenförderplans.
 

 

Die Schwerpunkte der Arbeit der Ansprechpartnerin bezogen sich in den vergangenen Jahren auf …

                       -     die Mitarbeit an der Einrichtung von Tutorien zur Lese- und Rechtschreibförderung für Schüler/innen
                              der Klassen 5 und 6 (auch als Maßnahme zur Jungenförderung)
 
                       –    die Einrichtung und alljährliche Organisation des Girls’ und Boys’ Day (i.d.R. am letzten   
                             Donnerstag im April) sowie eine Überarbeitung des Konzepts zur Auswertung der Erfahrungen
                             der Schüler/innen in Zusammenarbeit mit der Fachschaft Politik,
 
                       –    die Verankerung von Gleichstellungsmaßnahmen zur Mädchen- und Jungenförderung im  
                             Schulprogramm, und zwar …
 
·  die Teilnahme der Mädchen der 8. Klassen am Girls’ Day (seit 2007/2008) und
·   die Teilnahme der Jungen der 8. Klassen an einem Boys’ Day (seit 2008/2009),
·   Maßnahmen zur Leseförderung (s.o.) in der Erprobungsstufe (seit 2010/2011)
 
   –     die Empfehlung an die Koordinatoren und Koordinatorinnen der Betriebspraktika
          der 9. Klassen, die Unternehmen, die die Achtklässlerinnen und Achtklässler am Girls’
          und Boys’ Day aufsuchen, in die Liste der Praktikumsplätze mit aufzunehmen, um das Spektrum für
          Jungen und Mädchen zu erweitern,
 
  –     die Anregung von Maßnahmen zu einer Schulung der Kolleginnen und Kollegen im Bereich der
         Arbeit mit dem Computer, und zwar in zwei Gruppen jeweils speziell für Frauen und für Männer   
         [aufgrund der Vorerfahrungen bei einer Intel-Schulung, die von mehreren Kolleginnen vorzeitig
          abgebrochen wurde],
 
  –     die Unterstützung der Idee, eine Maßnahme zur Einführung der Kolleginnen und Kollegen in die Arbeit
          mit  dem lo-net / Moodle durchzuführen (möglichst als männer- und frauenbezogene interne Fortbildung),
 
  –     die Mitarbeit an einem Bandbreitenmodell, welches zur Entlastung aller Korrekturlehrerinnen und
         –lehrer beiträgt und dabei die Teilzeitkräfte anteilig berücksichtigt
 
                      -     die Einführung und Gestaltung eines ‚Wunschzettels‘ zur Darlegung individueller Informationen und 
                             Wünsche zur Stundenplangestaltung (insbesondere zur Berücksichtigung familiärer Verpflichtungen        
                             teil- und vollzeit-beschäftigter Kolleginnen und Kollegen)
 
  –     die Information und Beratung der Teil- und Vollzeitkräfte zum Thema Mehrarbeit, Elternzeit, -
         Karriereförderung etc.      
 
  -     die alljährliche Information des Kollegiums über den Frauenförderplan und den Stand der Umsetzung
         am VGK etc. im Rahmen einer Lehrerkonferenz
 
   –    Verschriftlichung, Überarbeitung und Erweiterung des Teilzeitkonzepts des Vestischen Gymnasiums (in 
         Zusammenarbeit mit den Teilzeitkräften)

   –    den jährlichen Besuch der Dienstbesprechung für Ansprechpartnerinnen

   –    die Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen zur neuen Rolle der Ansprechpartnerin für
         Gleichstellungsfragen ab dem Schuljahr 2013/14
 
   –    die Teilnahme an zahlreichen Ausschreibungen für schulscharfe Stellen, Auswahlkommissionen
         für schulscharfe Stellenbesetzungensowie Stellenausschreibungen für Beförderungsämter.
 
                         

 

Bedarf zur Gleichstellung in unserem Schulalltag und Möglichkeiten der Umsetzung

 

Fragen der Geschlechtergleichstellung sollen in der Organisation der Schule, in allen Bereichen des Lehrens und Lernens, insbesondere aber in Lehrinhalten, Lehrplänen und Unterrichtsmaterialien berücksichtigt und eine diesbezügliche Diskussion an der Schule angeregt werden.

 

a)  Bereich Unterricht

 

Im Ganzen müssen Inhalte, Methoden und didaktische Verfahrensweisen unterschiedlichen    Lernvoraussetzungen und Zugangsweisen von Mädchen und Jungen Rechnung tragen und eine  Auseinandersetzung von Jungen und Mädchen mit ihrer eigenen und der jeweils anderen Geschlechterrolle direkt und indirekt berücksichtigen.

Dies geschieht beispielsweise in Phasen des Biologieunterrichts (Thema ‚Sexualerziehung’), in denen Jungen und Mädchen zeitweise getrennt unterrichtet werden: In der Stundentafel wird dem naturwissenschaftlichen Unterricht in Klasse 5 eine zusätzliche Stunde eingeräumt. Im Sinne der reflexiven Koedukation werden die Schülerinnen und Schüler dabei nach Geschlecht getrennt in Physik bzw. Biologie unterrichtet, d.h. während die Mädchen Physik lernen, sind die Jungen im Biologieunterricht. Im wöchentlichen Wechsel tauschen die Gruppen. 

Eine zusätzliche Stunde wird ebenfalls in Klasse 7 erteilt. Hier werden die Gruppen in Chemie und ITG (InformationsTechnische Grundlagen) möglichst auch nach Geschlecht aufgeteilt. In ITG lernen die Schülerinnen und Schüler Grundlagen verantwortungsvoller Computer-Nutzung und der Schaffung von Medienkompetenz kennen.

Auch der prägende Einfluss der Medien hinsichtlich eines Verständnisses von Geschlechterrollenmuss in allen Jahrgangsstufen immer wieder zum Inhalt des Unterrichts gemacht werden.

Dass das Thema 'Geschlechtersozialisation und Gleichstellung' innerhalb der Schulcurricula bereits weitreichend  Berücksichtigung findetzeigt folgende Übersicht über Unterrichtsvorhaben verschiedener Unterrichtsfächer im Laufe der Sekundarstufe I und II:

 

Klasse / Jgst.
Unterrichtsvorhaben
thematischer Schwerpunkt
Fach
5/6
 
 
5/6     Jeder für sich oder alle zusammen?
           Lebenssituationen unterschiedlicher 
           Sozialgruppen in Deutschland      
 
6.1      Stellung der Frau im alten Rom (Lektion 2)
 
6.2      „Ich bin eine römische Bürgerin!“ (Lektion 13)
 
6.2      Mensch: Fortpflanzung und Entwicklung des
            Menschen     
 
- Lebensformen und –situationen 
  von Kindern, Frauen, Männern, …
 
- Die römische Familie und ihre
   Kleidung
 
- Rechte der römischen  Bürgerin
   und der Sklavin
 
- Veränderungen in der Pubertät /
   Paarbeziehung
Politik
 
 
Latein
 
 
Latein
 
 
Biologie
7/8
7.1      Ich und die anderen
 
 
7.2     Abendländische Kunstmusik im Übergang vom
           18. zum 19. Jh.
 
 
7-9      fakultativ: Freundschaft - Liebe - Partnerschaft
8.2      Berufswahl und Berufswegplanung 
 
 
-  Gruppen-/Gendersprachen
- "Freud und Leid in der Musik" -
   Liebeslieder und Musik zu 
   Trauer und Abschied von
   der Renaissance bis zur
   Gegenwart
 
 
- auch zur Vorbereitung und zur
   Reflexion des Girls' und Boys' Day 
 
 
Deutsch
 
Musik
 
 
 
Evangelische Religion
Politik
9
9         Grundlagen der Vererbung                  
9         Sexualerziehung
 
 
9         Die Frage nach dem Anderen 
                          
- Genotyp / Geschlechtsbestimmung
- Mensch und Partnerschaft /
  verschiedene Formen der Liebe
  und Sexualität (Hetero- und
  Homosexualität)
- u.a.SuS reflektieren soziale Rollen
Biologie
Biologie

Praktische Philosophie

 

 

 

EP
 
 
 
EP.1   Sozialisationsfelder: Anpassung und/
           oder Autonomie in primären
           Sozialisationsagenturen
 
EP.1   Liebe und Freundschaft in der lateinischen
          Dichtung (Abitur 2013-2015)
 
            
EP      Das Individuum im Erziehungsprozess

- Sozialisation und Rollen-Handeln

 

- Martial, Catull, Vergil
 
 
- Bedeutung von Erziehung für das
   Individuum und die Gesellschaft,
   u.a. Menschen-Bilder 

Politik

 

Latein

 

Pädagogik 

 

 

Q1

 

 
Q1.1   Von der französischen „Modell-
          revolutuion“ zum Durchbruch 
        der Moderne (Abitur 2013-2015)
Q1.1   Das Bild des Menschen in der
         Bildhauerei der italienischen
         Renaissance (Abitur 2012-2013)
Q1.1  Liebesgedichte in Romantik und
        Gegenwart (1980-2010) (Abitur 2014)
Q1.1  Entwicklung und Sozialisation in
           der Kindheit        
Q1.1  Aufführung des Dramas "Woyzeck"
          von Georg Büchner (2013)
- u.a. Sozial-, Umwelt- und Geschlechter-
   geschichte
- "Künstlerinnen und Künstler sehen
   die weibliche Gestalt"
 
- u.a. Rolle des Mannes, Stellung der
  Frau
- Lernen in der Schule / Koedukation /
  Gender-Thematik u.a.  
- u.a. Darstellung der Problematik
  der (sozialgeschichtlichen) Rolle
  von Mann und Frau

Geschichte

Kunst

Deutsch

Pädagogik

Literatur

Q2
Q2.1   Normen und Ziele in verschiedenen
          historischen, politischen und kulturellen
          Erziehungskontexten        
Q2.1  Spracherwerb und Sprachentwicklung
          (Abitur 2015)   
 
- Erziehung im Nationalsozialismus
 
- Aspekte des Sprachwandels: Mehr-
  sprachigkeit, z.B.  Genderlekte
 
 
Pädagogik
 
Deutsch
 

       

Die vorliegende tabellarische Übersicht erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die (epochentypischen) Rollen von Mann und Frau werden außerdem reflektiert im Unterricht der Fächer Englisch und Französisch sowie im Religions- und Deutschunterricht der Sek I. Dabei steht dieser Aspekt oft auch im Kontext anderer Themenschwerpunkte, z. B. im Rahmen einer Unterrichtsreihe der (bisher) 8. Klassen zum Thema ‚Zeitung’ im Fach Deutsch, in deren Verlauf die Schülerinnen und Schüler das Medium analytisch unter die Lupe nehmen und dabei auch Gender - Aspekte berücksichtigen und selbst (im Rahmen des ZEUS - Projektes) zu verschiedenen Themen, die ihnen wichtig sind, Texte verfassen und z. T. veröffentlichen.

Die Unterrichtsreihe zur Kommunikation im Fach Deutsch (EP) führte bereits mehrfach dazu, dass Schüler und Schülerinnen (vermehrt allerdings Schülerinnen) dieses Thema im Rahmen ihrer Facharbeit in der Jahrgangsstufe Q1.2 erneut aufgriffen und vertieften. Auch in den Facharbeiten anderer Fächer (Englisch, Kunst, Pädagogik etc.) spielte die Thematik eine Rolle (vgl. folgende tabellarische Übersicht).

Mehrfach wurde zudem die Werbung mit ihren typischen Kommunikationsstrukturen thematisch aufgegriffen, insbesondere bezüglich des Umgangs mit geschlechtsspezifischen Rollenerwartungen der Konsumenten.

 

Eine geschlechtersensible Auswahl an Lektürestoffen in den literarischen Fächern der Sekundarstufe I und II ist ein weiterer wesentlicher Aspekt der Berücksichtigung von Gender - Aspekten im Rahmen des Unterrichts.

Sowohl in ihren thematischen Schwerpunktsetzungen als auch in den angebotenen Identifikationsfiguren und–situationen ist auf eine gleichmäßige Verteilung zu achten.

Während der Einfluss auf die Lektüreauswahl der Sekundarstufe II in dieser Hinsicht seit Einführung des Zentralabiturs für die Kolleginnen und Kollegen begrenzt ist, kann im Rahmen der Sekundarstufe I hier noch eine bewusste Auswahl getroffen werden.

                                                          

Den Fachschaften war bei der Erstellung der fachinternen Curricula dieser Aspekt ein Anliegen. Für die Zukunft ist anzustreben, dass eine solche Geschlechter-spezifische Ausrichtung noch weitaus expliziter in der Formulierung der Lehrpläne zum Ausdruck gebracht wird.

 

Ähnliches gilt für die Arbeitsmaterialien in allen Unterrichtsfächern, bei deren Erstellung strikt zu vermeiden ist, dass tradierte Geschlechterrollenerwartungen unbewusst und unreflektiert bestätigt und verfestigt werden.

Auch im Bereich der Leseförderung (insbesondere in der Erprobungsstufe) sind geschlechtsspezifische Probleme und Interessen zu berücksichtigen.

 

Die Auswahl der Facharbeitsthemen in der Jahrgangsstufe 12/Q1 in den Jahren 2001 bis 2016 belegt darüber hinaus, dass der Anteil der an Gender-Aspekten orientierten Themenstellungen immerhin etwa 5% beträgt und viele Fächer betrifft. Eine Auswahl sei hier genannt:

 

Auswahl aus den Facharbeitsthemen 2001–2016 zur Thematik ‚Rolle der Frau’ / 'Rolle des Mannes' oder einer anderen Gleichstellungsthematik

 

Titel der Facharbeit
Fach
Jahr
Rolle und Situation der Frau im Mittelalter und auf der Schwelle zur Neuzeit - Vergleich zwischen Frauen in der Stadt und Frauen auf dem Land (Bäuerinnen)     Geschichte 2001
Die Rolle der Frau im Glauben des Islam am Beispiel des Taliban-Regimes in Afghanistan                                                                                  Ev. Religion 2002
Starke Frauen in der Bibel - Die Beispiele Mirjam und Judit                                                                                    Kath. Religion 2003  
Das Idealbild der Frau bei Plinius 4.19 im Vergleich mit Ovid "ars amatoria" 3,417-432                                        Latein 2004  
Erstellen einer Darstellung des modernen Frauenideals des 21. Jhd., ausgehend von der nationalsozialistischen Kunst, anhand des Bildbeispiels"Kahlenberger Bauernfamilie" (1939) von Adolf Wissel   Kunst 2006  
Das Frauenbild in Fontanes "Effi Briest" und "Irrungen, Wirrungen" als Spiegelbild  des Konflikts zwischen  individuellen Glücksansprüchen und inhumanen gesellschaftlichen Normen des 19. Jahrhunderts  Deutsch 2007
Frauen bei der Bundeswehr - mit der Waffe in der Hand zur Emanzipation?  

  Sozial-wissenschaften

2008
Die Rolle der Frau in der Informatik im 19. Jh. im Vergleich zu heute                                                                                       Informatik 2008
The different roles of women, shown in various television advertisments nowadays Englisch 2009

Marie Curie - Erfolg trotz Frauenstatus

Physik  2010
Le phénomène de l'émancipation en France au début du XXe siècle à l'example de Coco Chanel, une femme extraordinaire – une analyse desaspects positifs et négatifs de son chemin vers la libération féminine Französisch 2011
Das Kopftuch – ein Hindernis für eine gelungene Integration muslimischer Frauen in Deutschland? Sozialwissenschaften 2012
Die Geisha – ein japanisches Phänomen / Entstehung und Entwicklung Geschichte 2012
The life of afghan women in forced marriage as illustrated in Khaled Hosslini's novel „A Thousand Splendid Suns" Englisch
 2012  
Analyse von Loriots "Das Frühstücksei" hinsichtlich der misslungenen Kommunikationsituation zwischen Mann und Frau unter Berücksichtigung des Kommunikationsmodells von Karl Bühler (Organon-Modell) Deutsch 2014
L'influence de l'enfance et de l'éducation sur le rôle des femmes comme le sexe faible Französisch 2014
Per Gesetz in die Führungsetage? - eine kritische Auseinandersetzung mit der Umsetzung der gesetzlichen Frauenquote in der deutschen Wirtschaft Sozialwissenschaften 2016
"Boys don't cry", directed by Kimberly Pierce - the protagonist's self-awareness and experience of homophobia as an example of the "pursuit of happiness" Englisch 2016
Ein Kommunikationsproblem zwischen Mann und Frau im Alltag am Beispiel der Szene "Garderobe" von Loriot (1981) - analysiert anhand der Theorie von Friedemann Schulz von Thun Deutsch 2016
Analyse der Disneyfilme "Cinderella" und "Merida - Legende der Highlands" unter besonderer Berücksichtigung der emanzipatorischen Entwicklung der Disneyprinzessinnen Deutsch 2016

 

b)   Bereich Berufs- und Lebensorientierung

 

Geschlechtssensible Berufsorientierung bedeutet, dass das Berufswahlspektrum von Mädchen und Jungen über bisher geschlechtsspezifisch bevorzugte Studiengänge und Ausbildungsberufe hinaus erweitert werden soll.

In der Jahrgangsstufe 8 nehmen daher die Schülerinnen des Vestischen Gymnasiums seit dem Schuljahr 2007/2008 an dem jährlich bundesweit stattfindenden Girls’ Day teil. 

Vor dem Hintergrund einer Gleichstellung ermöglichen wir ihnen, Einblicke in bislang eher männertypische Berufe im Bereich des Handwerks, der Technik, der Naturwissenschaften und der Informationstechnologie zu gewinnen. 

Ein entsprechendes Konzept für einen Boys’ Day wurde 2008/2009 für die Jungen der 8. Jahrgangsstufe umgesetzt, wobei es hier um Einblicke in sozial, pädagogisch und hauswirtschaftlich ausgerichtete Berufszweige gehen soll. 

Die Aufgabe einer geschlechtssensiblen Berufsorientierung übernimmt auch das 2-wöchige Berufspraktikum der Jahrgangsstufe 9 (G8). Die Erstorientierung durch Girls’ bzw. Boys’ Day wird u.U. dazubeitragen, ein noch breiteres Spektrum an Praktikumsplätzen für Jungen und Mädchen zu schaffen. Dieses ist in den kommenden Jahren zu beobachten und entsprechend zu evaluieren.

Einzelne AG-Angebote innerschulischer und außerschulischer Art unterstützen ebenfalls eine geschlechtssensible Berufsorientierung: Zu nennen sind hier die Roberta-AG (für Mädchen der Klassen 6/7) und eine MINT-AG als Angebot der Hochschule Ruhr West in Bottrop für Mädchen der Sekundarstufe II.

Hinzu kommen das Assessment–Center, der Berufsinformationstag in Gladbeck und der Hochschultag in Münsterwelche Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 12 Hilfestellungen zu einer (auch geschlechtsspezifisch) angemessenen Selbstpräsentation und Einblicke in traditionell frauen- und männertypische Berufszweige sowie Möglichkeiten zur Revision und / oder Erweiterung solcher tradierten Vorstellungen aufzeigen.

 

Ein Assessment–Center für die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I (Jahrgangsstufe 8) stellt eine Ergänzung des Angebots dar.

 

c)  Bereich Kommunikation

 

In der schriftlichen Kommunikation hat sich inzwischen schulintern und –extern weitgehend eine Sprachregelung durchgesetzt, bei der weibliche und männliche Formen der Anrede nebeneinandergestellt werden.

Zur Verbesserung der Kommunikation unter den Schülerinnen und Schülern und zur Bewusstmachung sexistischen Sprachgebrauchs sowie verbaler und nonverbaler Formen der Gewalt unter Mitschülerinnen und –schülern wurde im Schuljahr 2007/2008 von zwei geschulten Kolleginnen erstmals ein Anti–Mobbing-Training in den siebten Klassen gezielt durchgeführt, welches laut Aussagen der Schülerinnen und Schüler im Ganzen positiv bewertet wurde. Eine weitere Schulung einiger Kolleginnen und Kollegen erfolgte im Schuljahr 2010/2011.

 

d)  Bereich Mitwirkung der Schülerinnen und Schüler / Eltern / Lehrerinnen und Lehrer

 

In der SV-Arbeit zeigte sich in den vergangenen Jahren ein annähernd gleich großer Anteil an Mädchen und Jungen, die das Amt der Klassen- oder Stufensprecherin bzw. des Klassen- oder Stufensprechers ausübten, sodass beide Geschlechter hier angemessen vertreten werden.

Auch bei derMitarbeit am Schulprogramm zeigt sich in Bezug auf die Schülervertreter/innen augenblicklich ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis. Im Bereich der Elternschaft und des Kollegiums verhält es sich etwas anders: Der Anteil an männlichen Teilnehmern hat sich in der letzten Zeit aber deutlich erhöht. Unter der Zielvorgabe, Interessen beider Geschlechtergruppen in das Schulprogramm einfließen zu lassen, ist diese Entwicklung zu begrüßen.

 

e)  Bereich fächerübergreifendes Angebot / Projekte / außerschulische Kontakte

 

In Bezug auf andere ProjekteArbeitsgemeinschaften etc. ist zu prüfen, wie hoch der Anteil von Jungen und Mädchen bei verschiedenen Angeboten jeweils ist und inwieweit sich Mädchen und Jungen gleichermaßen angesprochen fühlen. Das Angebot ist dem Bedarf entsprechend zu erweitern (soweit andere schulische Belange dies zulassen).  

Zu den außerschulischen und fächerübergreifenden Projekten kann u.a. auch der Girls’ bzw. Boys’ Day der Achtklässler/innen gezählt werden. (vgl. b) Hinzu kommt die MINT-AG als Angebot unseres Kooperationspartners – der Hochschule Ruhr West (HRW) - an die Oberstufenschülerinnen des VGK. Die Angebote der HRW werden von unseren Achtklässlerinnen auch gerne am Girls‘ Day in Anspruch genommen.

Das Austausch-Angebot der EP (Ungarn) sowie die Möglichkeit eines Auslandsaufenthalts werden am VGK gerne wahrgenommen, mehrheitlich von Mädchen.

 

f)  Bereich individuelle Förderung

 

Zu den Angeboten der individuellen Förderung liegen überwiegend noch keine statistischen Erhebungen bezüglich des Anteils weiblicher und männlicher Teilnehmer/innen an Wettbewerben, Leistungsvergleichen (z.B. sportlicher oder musikalischer Art), einzelnen Fördermaßnahmen besonders begabter oder lernschwächerer Schüler/innen vor.

Zu hinterfragen wäre u.U. auch, inwieweit die Angebote inhaltlich und/oder methodisch geschlechtsspezifisch angelegt sind.

 

Geschlechtsspezifische Aspekte spielen aber deutlich eine Rolle im Bereich der Leseförderung, die unsere Schule seit dem Schuljahr 2010/11 in der Erprobungsstufe als Tutorium anbietet. Der Anteil der Jungen der 5. (wie auch der 6.) Jahrgangsstufe, für die eine Verbesserung der Lesefertigkeit (beginnend mit einer Optimierung der Lesegeschwindigkeit) sinnvoll und notwendig erscheint, ist deutlich höher als der der Mädchen (ca. 2:1), was den Erhebungen zur Lesekompetenz*  im Pisa-Test 2009/10 tendenziell entspricht:

Die geschlechtsspezifischen Leistungsunterschiede zugunsten von Mädchen in der Lesekompetenz sind in den vergangenen zehn Jahren praktisch unverändert geblieben: Die Schülerinnen konnten sich deutlich verbessern, der Anteil auf Grundschulniveau oder niedriger sank um knapp 6 Prozentpunkte auf etwa 13 %. Bei den Jungen ging die Zahl der Risikoschüler dagegen nur leicht zurück, von 27 % im Jahr 2000 auf 24 %.

Zugleich sank bei den Jungen der Anteil derjenigen, die auf dem höchsten Leistungsniveau lesen können - von rund 7 % auf etwa 4 %. Die Spitzengruppe der Mädchen stagnierte bei 11 %.

Wer es auf eine der beiden höchsten Kompetenzstufen schafft, wird im deutschen Pisa-Bericht als „Expertenleser/in“ bezeichnet. Zu dieser Spitzengruppe zählen rund zweieinhalb mal mehr Mädchen als Jungen.

Die Studie stuft insgesamt 7,6 % der deutschen Teilnehmer/innen als solche "Expertenleser/innen" ein; dies entspricht dem OECD-Durchschnitt. Fast alle von ihnen gehen aufs Gymnasium.

                (zur Pisa–Studie vgl. www.spiegel.de/schulspiegel/wissen (Gelesen: 10.02.2011))

 

Das Konzept der Leseförderung am VGK sieht für die 6. Jahrgangsstufe ab dem Schuljahr 2011/12 vor, Tutorien zur Verbesserung der Lesestrategien für unterschiedliche Zwecke anzubieten (einen Text eher zu überfliegen oder gezielt nach bestimmten Informationen zu suchen). Zu diesem Zeitpunkt sollten die Schüler/innen – wie auch in der Jahrgangsstufe 5 - geschlechtsspezifisch und durchaus Klassen übergreifend gefördert werden. Die Textauswahl soll sich an geschlechtsspezifischen Interessen orientieren (beispielsweise auch in Bezug auf die Textauswahl).

Jahrgangsstufe
Trainingsschwerpunkt
5.1
Automatisierung der Lesegeschwindigkeit/-fertigkeit/simultanes Lesen eines Textes zum Hören eines Hörbuchs
5.2
simultanes Lesen eines Textes zum Hören eines Hörbuchs (Auswahl der Hörbücher nach geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten)
6.1
Lesestrategien
6.2
Lesestrategien / Förderung der Lesefreude (Auswahl der Hörbücher nach geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten)

 

g)  Bereich Stellenbesetzung

 

Im Bereich der Stellenbesetzungen bestand ein Anliegen der vergangenen Zeit darin, auch weibliche Lehrkräfte für den naturwissenschaftlichen Bereich zu gewinnen, um eine Identifikationsmöglichkeit für Schülerinnen in den nach wie vor eher von Jungen bevorzugten Fächern zu gewährleisten. In den Fächern Biologie und Chemie konnte dieses Anliegen bereits seit Längerem umgesetzt werden.

Ausschließlich von männlichen Kollegen werden augenblicklich die Fächer Physik und Informatik vertreten. In anderen Fächern ist eher auf einen entsprechenden Anteil männlicher Kollegen zu achten. Dies betrifft insbesondere die Fächer EnglischDeutschFranzösischSpanischLateinMathematikReligion (katholisch und evangelischund Kunst.

 

Die Umsetzbarkeit solcher Vorstellungen hängt natürlich grundsätzlich von der zur Verfügung stehenden Auswahl an Bewerberinnen und Bewerbern und deren jeweiliger Eignung ab.

 

Zukünftige Tätigkeitsfelder

Die oben angeführten Anregungen für zukünftige Tätigkeitsfelder sollen hier noch einmal zusammengefasst werden:

  • Eine noch intensivere und explizitere Berücksichtigung von Gender–Aspekten
    • bei der Erstellung von Arbeitsmaterialien
    • bei der Lese- und Rechtschreibförderung in der Erprobungsstufe
    • bei der Lektüreauswahl in den entsprechenden Fächern
    • bei der Erstellung der Fachcurricula (auch unter Berücksichtigung des Gesamtcurriculums der Schule)
    • beim Anti–Mobbing–Training
    • bei dem Angebot informationstechnologischer Fortbildungen für Schüler/innen und Lehrer/innen
    • bei der Neueinstellung von Lehrkräften

 

  • Evaluation unter geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten:
    • Evaluation des Teilzeitkonzepts 2017/18 
    • ggf. statistische Erhebung bezüglich der Teilnahme von Jungen und Mädchen an AGs, Projekten, außerschulischen Angeboten, Fördermaßnahmen, in Gremien (SV, Schulprogrammgruppe etc.) usw. zum Zwecke einer Veränderung des Angebotes im Sinne einer Gleichstellung

________________________

* Lesekompetenz wird hier definiert als „die Fähigkeit, geschriebene Texte unterschiedlicher Art in ihren Aussagen, ihren Absichten und in ihrer formalen Struktur zu verstehen und sie in einen größeren sinnstiftenden Zusammenhang einzuordnen, sowie in der Lage zu sein, Texte für verschiedene Zwecke sachgerecht zu nutzen.“ (Deutsches PISA-Konsortium (Hrsg.): PISA 2000, Opladen 2001, S. 22)