Offene Lernformen und Freiarbeit am VGK

 

Herausforderungen unserer Zeit                           

Info-Flyer Freiarbeit

 

 

Vor dem Hintergrund grundlegender gesellschaftlicher Herausforderungen forderte der „Club of Rome“ ( = eine ökologieorientierte Wissenschaftler-vereinigung) bereits vor vielen Jahren, dass „tradiertes Lernen“ – als Erwerb von Wissen und Können zur Bewältigung bekannter, sich wiederholender Situationen verstanden – ergänzt bzw. ersetzt werden müsse durch „innovatives Lernen“ zur Vorbereitung auf neue Situationen bzw. auf neuartige Problemlagen.[1] Damit stehen für die Gesellschaft und den Einzelnen Schlüsselqualifikationen wie Leistungsbereitschaft, Selbstständigkeit, Teamfähigkeit und Verantwortungsübernahme im Mittelpunkt.

Um den Erwerb dieser Schlüsselqualifikationen in der Schule weitgehend zu fördern, müssen im Unterricht verstärkt Lernformen zum Einsatz kommen, die der inneren Differenzierung, der Eigenaktivität, der Selbststeuerung, der Mitverantwortung und der Problemlösefähigkeiten der Lernenden einen hohen Stellenwert einräumen. Zu den wichtigsten erweiterten Lernformen und Konzepten gehört der offene Unterricht, zu dem auch die Freiarbeit zählt.

 

Freiarbeit

Ansprechpartnerin:  
Name:Gregor, Tanja - GRE
Faecher: Mathematik
Chemie
Weitere Aufgaben: kommissarische Erprobungsstufenkoordination
Mitarbeit bei der Weiterentwicklung des selbstständigen Lernens (Freiarbeit, LAT)
Mitglied der Steuergruppe
Mitglied der Schulprogrammgruppe
Email: gregor(at)vestisches-gymnasium(dot)de
Frau Gregor

 

Wir haben uns am VGK für die Einführung von Freiarbeit entschieden, weil sie einerseits an die Arbeit der Grundschule anknüpft, in der sie häufig auch in Form der Wochenplanarbeit vorkommt, und sie andererseits unter Berücksichtigung des Alters der Kinder die umfassendste und konsequenteste Form offenen Unterrichts darstellt.

Gegenüber geschlossenen, vorgeplanten Lernformen können offene Formen wie die Freiarbeit …

  • verstärkt auf Fragen und Interessen der Kinder und Jugendlichen eingehen, 
  • den Verschiedenartigkeiten der Schüler*innen Rechnung tragen,
  • Erfahrungen und Handeln an außerunterrichtlichen Lernorten ermöglichen,
  • Freiräume für eigenverantwortliche Entscheidungen der Schüler*innen im Arbeits- und Lernprozess in unterschiedlichen Dimensionen eröffnen.

Natürlich kommen weitere offene Lernformen im Fachunterricht unserer Schule vor. So findet sich beispielsweise im Unterricht das Lernen an Stationen oder nach selbstgewählten Themen. Wir bieten Schüler*innen die Möglichkeit zu lernen, indem sie lehren, also selbst einen Teil einer Unterrichtsstunde nach Absprache gestalten oder später sogar ein Tutorium oder eine AG leiten.

 

Ziele der Freiarbeit

Freiarbeit …

  • fördert die individuellen Fähigkeiten eines Kindes,
  • berücksichtigt eigene Interessen des Kindes,
  • bezieht eigenes Wissen und Können wie auch eigene Erfahrungen eines Kindes verstärkt ein,
  • hilft, überfachliche Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen, denn die Lebenswirklichkeit ist außerhalb der Schule nicht in Fächer aufgeteilt,
  • stärkt die Eigenverantwortung für den Lernprozess,
  • ermöglicht es dem Kind, Fähigkeiten und Fertigkeiten durch Eigentätigkeit und eigenes Handeln zu erwerben,
  • schult und stärkt die Selbstständigkeit, Planungskompetenz und Entscheidungsfähigkeit der Schüler*innen,
  • führt zu ausdauerndem und konzentriertem Arbeiten an einem selbst gewählten Thema,
  • übt den verantwortlichen Umgang mit Freiheit ein,
  • leitet Schüler*innen an, mit Partnern und im Team zu arbeiten.

 

Was wird in der Freiarbeit gelernt?

In der Freiarbeit wie auch im Unterricht geht es einerseits um fachliches Lernen. Andererseits genügen isolierte Kenntnisse allein nicht, um neuen Herausforderungen zu begegnen. Deshalb stellen wir Bezüge zwischen den Inhalten der Fächer und über die Fächergrenzen hinaus her und zeigen Zusammenhänge auf. Kreative und gestalterische Arbeiten kommen dabei jedoch nicht zu kurz.

Das Lernangebot reicht vom wiederholenden und vertiefenden Üben bis hin zum entdeckenden, forschenden Lernen nach eigenen Interessen. Individuelle Förderung steht somit im Mittelpunkt der Freiarbeitsstunden. Hier kann – anders als im Fachunterricht – der jeweils benötigte Zeitrahmen individuell besser abgestimmt werden.

In der Freiarbeit finden sich Selbstlernmaterialien zu vielen Unterrichtsfächern bzw. Fachbereichen. Selbstlernmaterialien sind so gestaltet, dass die Schülerin bzw. der Schüler alle notwendigen Informationen vorfindet, um das Thema oder die Aufgabe selbstständig bearbeiten zu können. Dies bedeutet auch, dass – soweit möglich – Lösungen eingesehen werden können. Bei komplexen Aufgaben gibt es in der Regel Musterlösungen.

Die Schüler*innen haben somit die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Themengebieten, Aufgabenarten und Schwierigkeits- und Komplexitätsgraden zu wählen. Bei der Materialerstellung wird darauf geachtet, dass für alle Interessen und Bedarfe etwas dabei ist und dass jedes Material unterschiedliche Lernkanäle bedient, denn es gibt unterschiedliche Lerntypen.

Sollte einmal für ein Kind, das schon sehr viel weiß und gerne mehr über ein bestimmtes Thema lernen will, kein entsprechendes Material dabei sein, so ist es auch möglich, in Absprache mit dem Fach- bzw. dem Freiarbeitslehrer eine eigene Aufgabenstellung zu vereinbaren oder ein eigenes Material zu entwerfen und anschließend zu bearbeiten.

Im Laufe ihrer Erfahrungen in der Freiarbeit werden die Kinder schnell selbstständiger und bestimmen ihr Lernen zunehmend selbst. Anfänglich wird der Schülerin oder dem Schüler noch viel vorgegeben, was sie bzw. er jeweils zu tun hat. Später sind sie in der Lage, den Gegenstands- bzw. Themenbereich eigeninitiativ auszuwählen, die Fragestellung zu definieren und selbst die passende Methode festzulegen, mit deren Hilfe sie den Gegenstand oder das Thema bestmöglich aufbereiten.  

 

Wer betreut die Freiarbeit?

In den Freiarbeitsstunden betreut eine Fachlehrerin bzw. ein Fachlehrer die Klasse und steht unmittelbar zur Beratung der einzelnen Schüler*innen zur Verfügung. Sie bzw. er sorgt dafür, dass die Arbeitsatmosphäre angemessen ist und Freiarbeitsregeln eingehalten werden. Fertig bearbeitete Aufgaben und Themen werden an die jeweilige Fachlehrerin bzw. den Fachlehrer weitergeleitet, von diesen korrigiert und anschließend der Schülerin oder dem Schüler kommentiert zurückgegeben. Bei speziellen Fragen können die Schüler*innen auch andere Lehrer*innen zu Rate ziehen.

 

Wie wird in der Freiarbeit gelernt?

Das Kind wählt aus dem Materialangebot ein geeignetes Thema oder eine Aufgabe. Es arbeitet entweder allein oder mit einem Partner/einer Partnerin oder in einer Kleingruppe. Bei Rückfragen wendet es sich an die jeweiligen Freiarbeits- oder Fachlehrer*innen.

Die Schülerin bzw. der Schüler hält am Ende jeder Freiarbeitsstunde in einem Freiarbeitsordner fest, was sie bzw. er bearbeitet hat. Den Freiarbeitslehrer*innen dient dies zur Übersicht über den Lernprozess des Einzelnen und ggf. als Grundlage für ein Beratungsgespräch. Alle beteiligten Lehrer*innen achten darauf, dass die Schüler*innen im Laufe eines Halbjahres oder Schuljahres Themenbereiche aus möglichst vielen verschiedenen Fächern abdecken und unterschiedliche Aufgabenarten wählen.

Lernergebnisse können im Fachunterricht präsentiert oder – wenn es sich um ein Produkt handelt – an geeigneter Stelle in der Schule ausgestellt werden.

 

Wie ist die Freiarbeit organisiert?

Freiarbeit ist in der Erprobungsstufe ein fester Bestandteil des Stundenplans und macht einen Teil des Unterrichts aus.

In der Stundentafel der Klassen 5 und 6 wird jeweils eine Stunde FAS (= Freiarbeitsstunde) ausgewiesen.

 

Wie ist die Lernumgebung gestaltet?

Die Freiarbeit benötigt eine andere Lernumgebung als dies üblicherweise in Klassenräumen der Fall ist. Deshalb statten wir einerseits die jeweiligen Klassenräume mit Regalen, Ordnern und Büchern aus. Außerdem ist ein zusätzlicher Raum eingerichtet, in dem das Freiarbeitsmaterial, PCs, Tablets, eine Leseecke und Gruppentische zu finden sind.

 

Welche Rolle spielen die Eltern?

Um die Vielfalt der Materialien auf Dauer gewährleisten zu können, benötigen wir die Mithilfe der Eltern. Im Bedarfsfalle werden gemeinsam nach Vorlage durch die Fachlehrer*innen Materialien für die Freiarbeit erstellt. Manchmal muss etwas nach intensiver Nutzung durch die Kinder repariert werden.

Da die Anschaffung und Erstellung von Material und Raumausstattung nicht in unserem Schulhaushalt vorgesehen sind, unterstützen die Eltern mit ihrem Jahresbeitrag von 10 € in der 5. Klasse und 6. Klasse die Freiarbeit. Die Jahresbeiträge sind für die Eltern Pflicht. Das Geld fließt auf ein gesondertes Konto des Vereins der Freunde und Förderer. Der Beitrag ist aber unabhängig von einer möglichen Mitgliedschaft im VFF.

zum Fächer- und Lernangebot       zu Individuelle Förderung       zu Methodenlernen